Mehr als ein Vierteljahrhundert hatte der Historische Schienenverkehr Wesel seine Heimat im Bahnhof Wesel. Als die Bahn dort Anfang der 2000er Jahre umfassend umgebaut wurde, stand der Verein vor der Existenzfrage – und fand am Ende einen neuen Standort, der mehr ist als ein Ersatz: die Römerwardt.
Die Geschichte im Überblick
- 1979Erste Bemühungen, im Übergabebahnhof der Stadtwerke Wesel Fuß zu fassen.
- 1983Umzug in den Bahnhof Wesel – der Beginn von 26 Jahren Heimat.
- 1985Erste DB-Pläne zur Untertunnelung des Bahnhofs.
- 1999„Bahnhöfe 2000″ in NRW – die Suche nach einer neuen Bleibe beginnt.
- 2004Die Untertunnelung wird konkret. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp macht den HSW zur Chefinsache.
- 2006Besuch von Minister a. D. Franz Josef Kniola für die NRW-Stiftung.
- 2007Die NRW-Stiftung fördert das Vorhaben mit 60.000 €.
- 2008Unterzeichnung der Verträge – die Römerwardt wird neue Heimat.
Eine Heimat im Bahnhof Wesel
1979 – 2004
Schon 1979 wollten wir im Übergabebahnhof der Stadtwerke Wesel unser Domizil aufschlagen. Ein Teil der Fahrzeugsammlung stand bereits auf Gleis 4, das wir von der Stadt Wesel angemietet hatten. Doch das Gelände war damals schwer zugänglich.
Der damalige Bahnhofvorstand Theo Klingenberger machte uns ein Angebot, das die Pläne grundlegend ändern sollte: Wir durften unsere Fahrzeuge im Bahnhof Wesel aufstellen. 1983 zogen wir um – und blieben mehr als 26 Jahre. Der Bahnhof wurde unsere Heimat.
Bereits 1985 existierten Pläne der damals noch staatlichen Deutschen Bundesbahn, den Bahnhof zu untertunneln. Die Privatisierung der Bahn und rückläufige Fahrgastzahlen verhinderten die Umsetzung – wir konnten weiter im Bahnhof bleiben.


Die Existenzfrage
2004
1999 wurden die Pläne wieder aufgegriffen. Das Projekt „Bahnhöfe 2000″ in NRW sollte das Umfeld der Bahnhöfe und die Bedingungen für Reisende verbessern. Mit unserem Standplatz waren wir diesen Bestrebungen im Wege.
Wir wandten uns hilfesuchend an die Stadt Wesel, an Bürgermeister und Ratsmitglieder. Anfangs kamen noch Lösungen im Bahnhofsbereich in Frage – doch dann überholten uns die Ereignisse. Ein Verbleib im Bahnhof wurde unmöglich.
Bis 2004 konkretisierten sich die Pläne zur Untertunnelung endgültig. Die Sorge, von Wesel wegziehen oder die gesamte Sache aufgeben zu müssen, wurde immer größer. Es wurde ernst mit der Existenzfrage.

Eine Stadt hilft
2004 – 2007
Im Herbst 2004 wurde Ulrike Westkamp zur Bürgermeisterin der Stadt Wesel gewählt. Schon nach den ersten Gesprächen erklärte sie die Sorgen des HSW zur Chefinsache. Mit Hilfe ihres Teams konnten die nächsten Schritte erfolgreich bearbeitet werden.
Der Standort Römerwardt wurde als beste Lösung gewählt. Die Stadtwerke Wesel, auf deren Gleisen wir seit 1981 Sonderfahrten durchführen, stellten spontan ihr nicht mehr genutztes Gleis 4 zur Verfügung. Die Stadt Wesel erklärte sich bereit, die erforderlichen Flächen kostenfrei zu überlassen.
Der neue Standort auf dem Gelände der alten Werftbahn schuf gute Voraussetzungen für eine dauerhafte Unterbringung – direkt neben den unter Denkmalschutz stehenden Resten der ehemaligen Eisenbahnbrücke über den Rhein. Ein historisch und touristisch attraktiver Ort.
Am 19. Juli 2006 besuchte uns Minister a. D. Franz Josef Kniola, Präsident der NRW-Stiftung, in Wesel. Die Einigkeit von Verwaltung, Politik, Sponsoren und Verein beeindruckte ihn – die Förderung sei bei sorgfältiger Antragstellung möglich, frühestens jedoch im Folgejahr.


Der Weg zum neuen Zuhause
2007 – 2008
Die Kiesunternehmen Hülskens und Suhrborg sagten ihre Hilfe bei den erforderlichen Erdarbeiten zu. Die Baufirma Falkenhahn übernahm den Gleisabbau im Bahnhof. Die ASG half dabei, das verwilderte Gelände an der Römerwardt freizulegen. Das Inventar des Vereins wanderte währenddessen in gespendete und gekaufte See-Container.
Am 26. März 2007 erfuhren wir aus der Rheinischen Post: Die NRW-Stiftung fördert unser Vorhaben mit 60.000 €. Einen Monat später, am 27. April 2007, erhielten wir den Zuwendungsbescheid mit allen Bedingungen.
Der Weg war nicht ohne Hürden. Erste Prüfungen ergaben, dass der Vertrag in der vorliegenden Form von der Stadt Wesel nicht unterschrieben werden konnte. Am 28. Oktober 2007 fand ein klärendes Gespräch zwischen NRW-Stiftung, Stadt Wesel und HSW statt – eine Lösung wurde gefunden.
Am 25. März 2008 war es endlich soweit: Vor Ort wurden die Verträge unterzeichnet – im Beisein von Presse, Fernsehen und Bürgerfunk.
Für die NRW-Stiftung: Geschäftsführerin Martina Grote
Für die Stadt Wesel: Bürgermeisterin Ulrike Westkamp mit Michael Klessa
Für den HSW: 1. Vorsitzender Klaus Kaitna






Heute
Die Römerwardt ist heute unsere Heimat – ein Ort mit Geschichte, an dem unsere historischen Fahrzeuge ihren Platz gefunden haben. Was als Existenzbedrohung begann, ist zu einem Neuanfang geworden.
Dieser Neuanfang wäre ohne das Engagement vieler nicht möglich gewesen: der Stadt Wesel und ihrer Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, der NRW-Stiftung, der Stadtwerke Wesel, der Unternehmen Hülskens, Suhrborg, Falkenhahn und der ASG, der Presse, der Politik – und der vielen ehrenamtlichen Helfer des HSW. Ihnen allen gilt unser Dank.




